Bonn (epd). Nach viertägigen Beratungen ist am Mittwoch in Bonn die Jahrestagung der Synode der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) zu Ende gegangen. Das Kirchenparlament fasste eine Reihe von Beschlüssen, die wichtigsten im Überblick:

ZUKUNFT: Die Synode beriet unter dem Titel "Zukunft auf gutem Grund" über Lehren aus dem 500. Reformationsjubiläum. In einem zum Abschluss der Tagung verabschiedeten Grundsatzpapier heißt es, "überzeugende neue Formate und kluge Strukturen" sollten dazu beitragen, den Dialog mit der ganzen Gesellschaft zu vertiefen. Zudem liege es nahe, "weiter über ergänzende oder alternative Formen der Beteiligung am kirchlichen Leben beziehungsweise der Zugehörigkeit zur Kirche nachzudenken". Eine Aufforderung, explizit auch über eine neue Form von Kirchenmitgliedschaft nachzudenken, wurde auf Wunsch der Synodenmehrheit nach kontroverser Debatte aus dem Beschlussvorschlag gestrichen.

HAUSHALT: Die Synode hat zusätzliches Geld für die Finanzierung der Feiern zum 500. Reformationsjubiläum freigegeben. Insgesamt wird die evangelische Kirche noch einmal bis zu zwölf Millionen Euro nachschießen, wie aus den Haushaltsbeschlüssen des obersten Kirchenparlaments hervorgeht. Grund sind weniger verkaufte Eintrittskarten, geringere Sponsoring-Erlöse und zuvor nicht einkalkulierte höhere Ausgaben für Sicherheitsmaßnahmen. Ob für den Ausgleich des Defizits die gesamten zwölf Millionen nötig sind, wird erst im Laufe des nächsten Jahres feststehen.

Für 2018 sieht der EKD-Haushalt Ausgaben in Höhe von insgesamt 217,9 Millionen Euro vor. Das ist ein Anstieg um 2,2 Millionen Euro. Wichtigste Finanzierungsquelle für die EKD ist eine von den 20 Landeskirchen aufzubringende allgemeine Umlage. Diese steigt um fünf Prozent auf 90,8 Millionen Euro.

DIGITALISIERUNG: Das Kirchenparlament hat die Weichen für einen weiteren Digitalisierungsschub im deutschen Protestantismus gestellt. Bis zur Jahrestagung im November 2018 soll der Rat der Synode einen Strategievorschlag für die Kirche im digitalen Wandel vorlegen. Zur Erarbeitung der digitalen "Road Map" sollen alle kirchlichen Ebenen eingeladen werden. Ziel ist es, Innovationen in den eigenen Verwaltungsstrukturen voranzutreiben und neue Wege der Kommunikation mit den Mitgliedern und in die Gesellschaft zu gehen. Zugleich wir aber auch eine kritische Begleitung des digitalen Wandels insgesamt angestrebt.

VERBINDUNGSMODELL: Das Kirchenamt der Vereinigten Evangelisch-Lutherischen Kirche Deutschlands (VELKD) geht in der Verwaltung der EKD auf. Der Änderung der EKD-Grundordnung zufolge wird das Amt der VELKD künftig zum Amtsbereich im EKD-Kirchenamt. Damit wird auf dem Weg des sogenannten Verbindungsmodells ein entscheidender Schritt bei den Verwaltungsstrukturen vollzogen. Seit einigen Jahren verzahnen sich die EKD und die beiden konfessionellen Zusammenschlüsse von VELKD und Union Evangelischer Kirchen (UEK) miteinander, um Kräfte zu bündeln und Doppelstrukturen zu vermeiden. Die Zusammenlegung der Kirchenämter zum 1. Januar 2018 ist nun die nächste Etappe und stellt einen vorläufigen Abschluss des Prozesses dar. Alle drei Kirchenverwaltungen befinden sich in Hannover, die UEK ist bereits weitgehend in die EKD integriert.

FRAUEN IN LEITUNGSÄMTERN: Ausgehend von einer auf der Synode präsentierten Studie zu Karrieremöglichkeiten von Frauen in der evangelischen Kirche fordert das Kirchenparlament eine Auseinandersetzung mit Rollenklischees. Die Studie ergab, dass Geschlechterstereotype Frauen den Weg in Führungspositionen der mittleren Ebene oftmals versperren. Die Landeskirchen werden aufgefordert, Empfehlungen der Studie umzusetzen. 2020 will die Synode über die bis dahin gemachten Erfahrungen informiert werden.

KLIMASCHUTZ: Die Synode fordert von der Politik ein Klimaschutz-Sofortprogramm für die Jahre 2018 bis 2020, um das bis dahin gesteckte Ziel einer Treibhausgasreduktion um 40 Prozent noch zu erreichen. Darin sollte das sozialverträgliche Auslaufen aller Kohlekraftwerke, die eine Laufzeit von mehr als 30 Jahren haben, enthalten sein, heißt es in dem Beschluss. Zudem fordert die Synode mehr Anstrengungen zum Ausbau der erneuerbaren Energien und finanzielle Hilfen für arme Länder, die Schäden und Verluste durch den Klimawandel verkraften müssen. Die evangelische Kirche soll auch selbst ihr Engagement zum Klimaschutz erhöhen. Die Synode wünscht sich Klimaneutralität bis 2050. Die Synode, die sich einmal jährlich trifft, will ein Konzept für klimafreundliche Tagungen erarbeiten.

FLÜCHTLINGE: In der Diskussion um den Familiennachzug von Flüchtlingen schlägt die Synode vor, das Nachholen von Angehörigen im Rahmen legaler Wege für Schutzbedürftige zu ermöglichen. Im Beschluss wird gefordert, in der EU sichere und legale Zugangsmöglichkeiten zum Asylverfahren zu schaffen. Neben verstärkten Anstrengungen zur Aufnahme in sogenannten Resettlement-Verfahren solle dabei der Familiennachzug "erleichtert, erweitert und beschleunigt" werden. Konkret ist die Forderung an die Parteien, die derzeit über eine Regierungsbildung verhandeln, die Aussetzung des Familiennachzugs für Menschen mit sogenanntem subsidiären Schutz nicht über den März 2018 hinaus zu verlängern. Davon sind vor allem Syrer betroffen. Ein weiterer Beschluss der Synode spricht sich für die Einrichtung einer Enquete-Kommission des Bundestags zum Thema Fluchtursachen aus.

RECHTSPOPULISMUS: Die Synode fordert evangelische Christen auf, sich entschlossen gegen Rechtsextremismus und auch -populismus zu stellen - auch in den eigenen Reihen. In einem Beschluss heißt es unter anderem, es sollten bereits bestehende kirchenrechtliche Möglichkeiten ausgeschöpft werden, durch die Personen, die rechtsextremen, rassistisches oder fremdenfeindliches Gedankengut vertreten, von der Wahl zu einem kirchlichen Amt ausgeschlossen werden. Zudem soll die interkulturelle Kompetenz der eigenen Mitarbeiter gestärkt werden.

SCHWERPUNKTTHEMEN: Das Kirchenparlament will sich in den nächsten beiden Jahren den Themen Jugend und Frieden widmen. Die Synode beschloss, bei ihrer Tagung 2018 in Würzburg die Generation zwischen evangelischer Jugendarbeit und eigener Familiengründung stärker in den Blick zu nehmen. 2019 in Dresden soll es dann im Schwerpunkt um die Friedensarbeit in der evangelischen Kirche gehen.

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