Der Kirchliche Dienst in der Arbeitswelt begleitet die Entwicklungen in der Arbeitswelt kritisch

Foto: Kirchenkreis Duisburg/Merkelt-Rahm. In diesen Tagen jährt sich die Gründung des Kirchlichen Dienstes in der Arbeitswelt Duisburg-Niederrhein (KDA) zum 25. Mal. Die beiden Pfarrer Jürgen Widera (links) und Hans-Peter Lauer waren von Anfang an am Aufbau von Strukturen zwischen der evangelischen Kirche und der Arbeitswelt beteiligt. Darunter befinden sich so unterschiedliche Branchen wie Bergbau, Stahlindustrie und Landwirtschaft, welche die Landstriche am Niederrhein geprägt haben. Der KDA lädt ein zum Festgottesdienst am Montag, ab 17 Uhr in der Marxloher Kreuzeskirche, Kaiser-Friedrich Straße 38. Es predigt der ehemalige Moerser Gemeindepfarrer, Superintendent, Präses der rheinischen Kirche und Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland, Pfarrer Nikolaus Schneider.

„Der Kontakt zur Wirtschaft hatte damals von kirchlicher Seite keine große Tradition und entsprechend gab es wenig Kontakte in die Betriebe hinein", erinnert sich Lauer. Das änderte sich spätestens mit dem Beginn des Arbeitskampfes um das Stahlwerk in Rheinhausen im Herbst 1987. „Rheinhausen war ein Riesenschub, danach wurde die Verbindung mit der Arbeitswelt gesamtkirchlich anders wahrgenommen und unsere Arbeit schrittweise institutionalisiert", erinnert sich Widera. „Ihr wart doch auch dabei und habt mit uns zusammen auf der Brücke (der Solidarität) gestanden und gefroren", hörten die KDA-Mitarbeiter später öfter aus den Reihen der Gewerkschafter. Auch unter ihnen gab es zunächst keine große Tradition kirchlicher Kontakte.

An der Seite der Beschäftigten

Dass er als KDA-Pfarrer nicht nur das Recht, sondern sogar die Pflicht hat, sich einzumischen, wenn in Betrieben sozialen Standards ignoriert werden, das hat Lauer sogar schriftlich. Ende der neunziger Jahre baten ihn die Duisburger Callcenter-Mitarbeiter der Citibank um Unterstützung in ihrem Kampf gegen Entlassung und um Tarifverträge. Er ließ sich zum Sprecher ihrer Initiative „Citikritik" wählen und wurde nach einer Postkartenaktion mit dem Statement „Eröffnen sie kein Konto bei der Citibank" von der amerikanischen Großbank verklagt. „Es gab viel Unterstützung von der Gewerkschaft für Handel Banken und Versicherungen", erinnert sich Lauer, „aber es gab natürlich auch Besorgnis darüber, ob man gegen die teuren Anwälte der Bank wohl ankäme." Es folgte eine klassische David und Goliath Geschichte. Man kam an und der Sieg in allen Punkten vor dem Düsseldorfer Landesgericht nach dreijährigem Kampf sorgte für viel Publicity und Aufmerksamkeit für die Anliegen des KDA. Die Einschüchterungstaktik der Citibank war nicht aufgegangen.

Vielseitige Angebote

„Wir haben an anderer Stelle aber auch erlebt, wie ein amerikanischer Konzern das Ergebnis einer offiziellen, deutschen Schlichtung einfach nicht akzeptierte: "Wir verhandeln nicht mit Gewerkschaften, haben die einfach gesagt", erinnert sich Widera kopfschüttelnd. Widera und Lauer ist es wichtig festzuhalten, dass es nicht die spektakulären Ereignisse sind, die in den letzten 25 Jahren ihre Arbeit bestimmt haben. Vielmehr ist es der Aufbau des Netzwerkes, die Gottesdienste an Orten der Arbeitswelt, das politische Nachtgebet, die Vorträge, die Schulungswochen mit Auszubildenden, die Bildungsarbeit im sogenannten Laboratorium, die im Vordergrund stehen.

Zukunft in der Schwebe

Im Moment finanzieren noch fünf Kirchenkreise gemeinsam die Arbeit des KDA Duisburg-Niederrhein und die Stelle von Pfarrer Widera, der 2020 in den Ruhestand geht. Lauer, der zu 25 Prozent KDA-Arbeit macht und Gemeindepfarrer in Duisburg-Marxloh ist, geht drei Jahre später. Wie und mit welchem Personal die Arbeit fortgeführt wird, werden die kommenden Jahre zeigen. „Wenn die Kirche aufhört, sich dafür zu engagieren, dass mit den Menschen in der Arbeitswelt vernünftig umgegangen wird, dann wird sie sozialethisch blind", gibt Lauer zu bedenken. Man wird für den Dienst einen neuen Ansatz schaffen müssen, da sind sich die langjährigen KDA-Kollegen einig. Die Strukturen, die sie in den letzten 25 Jahren geschaffen haben, werden dabei hilfreich sein.

Text: Sabine Merkelt-Rahm/Stefan Schmelting

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