"Zu Antisemitismus können wir nicht schweigen"

Zwei Vorfälle innerhalb von zwei Wochen - am 24.4. wurde die Tafel zur Erinnerung an das sogenannte Judenhaus am Spoyufer, am 7.5. die Gedenktafel am Treppenaufgang zum Synagogenplatz mit antisemitischen Parolen beschmiert. Beide Vorfälle zeigen, dass es Antisemitismus auch bei uns in Kleve gibt.

Wir hören von gewaltsamen Übergriffen auf Menschen jüdischen Glaubens in anderen Städten. Wir wissen, dass viele jüdische Einrichtungen in unserem Land dauerhaften Polizeischutz brauchen. Wir sind besorgt darüber, dass Antisemitismus unter dem Deckmantel der Künstlerfreiheit Jugendlichen ins Hirn gerappt wird. Wir sind erschrocken und fragen uns, wie das möglich sein kann und wohin sich unsere Gesellschaft entwickeln wird. Sichtbar sind die Probleme nicht nur in Berlin oder Frankfurt, sondern hier vor Ort – bei uns in Kleve!

Wegsehen und schweigen kommt für uns nicht in Frage. Wir wissen, wie verhängnisvoll das
Schweigen auch unserer Kirchen in der Geschichte unseres Landes gewirkt hat. Wir wissen, dass
nur wenige mutig waren und Widerspruch wagten. Deshalb widersprechen wir heute: Jede Form des Antisemitismus ist mit unserem Glauben unvereinbar. Wir bekennen uns zu Jesus Christus, der ein Sohn seines Volkes war. Gott, unser Vater, ist auch der Gott Israels. In unserer Bibel, in den
Schriften des Alten Testaments hören wir mit Israel seine Weisung.

Wir wissen uns in unserem Widerspruch getragen durch den Konsens, den unsere Kirchen im Nachdenken über die Shoa in den letzten Jahrzehnten gefunden haben. In der Erklärung nostra aetate hält die Katholische Kirche im Jahr 1965 im Zweiten Vatikanischen Konzil fest: „Im Bewusstsein des Erbes, das sie mit den Juden gemeinsam hat, beklagt die Kirche, die alle Verfolgungen gegen irgendwelche Menschen verwirft, nicht aus politischen Gründen, sondern auf Antrieb der religiösen Liebe des Evangeliums alle Hassausbrüche, Verfolgungen und Manifestationen des Antisemitismus, die sich zu irgendeiner Zeit und von irgend jemandem gegen die Juden gerichtet haben." Und 1980 erklärte die Landessynode der Evangelischen Kirche im Rheinland: „Wir bekennen betroffen die Mitverantwortung und Schuld der Christenheit in Deutschland am Holocaust. Wir bekennen uns zu Jesus Christus, dem Juden, der als Messias Israels der Retter der Welt ist und die Völker der Welt mit dem Volk Gottes verbindet. Wir glauben die bleibende Erwählung des jüdischen Volkes als Gottes Volk und erkennen, dass die Kirche durch Jesus Christus in den Bund Gottes mit seinem Volk hineingenommen ist."

In diesem Bewusstsein werden wir auch weiterhin widersprechen, für Mitmenschlichkeit und Toleranz eintreten und dafür beten – auch hier in Kleve und angesichts der aktuellen Vorfälle ganz bewusst in unseren Gottesdiensten am kommenden Wochenende.

Propst Johannes Mecking, Diakon Michael Rübo, Pastoralreferent Michael Beermann, Pastoralreferent Markus van Berlo, Pastoralreferentin Judith Welbers, Mick Michels (katholische Kirchengemeinde und Propstei St. Mariä Himmelfahrt Kleve); Pastoralreferent Wolfgang Feldmann, Diakon Norbert Gerding, Diakon Andreas Strähnz und Anne Kurpisz-Strähnz, Kunibert und Anna Elise Polachowski, C. Berns, S. Brock, A. und V. Schmidt, Stefanie Daams und Klemens Kasten (katholische Pfarrgemeinde Zur Heiligen Familie Materborn und Reichswalde); Pfarrer Stefan Notz, Diakon Dr. Johannes Gimnich (katholische Kirchengemeinde St. Willibrord Kleve); Pfarrer Georg Freuling, Pfarrer Achim Rohländer, Pfarrerin Elisabeth Schell, Martin Schell, Marianne Hütz, Matthias Hartnack, Günter Meyer, Ulla van Sinderen, Werner Elbers, Manfred Lichtenberger, Beate Ihle-Fischer, Pfarrerin Gabriele Schwärzl, Benjamin Fischer (Evangelische Kirchengemeinde Kleve); Benjamin Gies (Evangelische Stadtmission Kleve); Ulrich Falk (Vineyard Kleve)

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