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Authentisch und ehrlich – auch wenn die Nachricht weh tut
Kreis Kleve. Sie sind für Menschen da, wenn diese akut Hilfe benötigen. Die ökumenische Notfallseelsorge wird von der Leitstelle bei schweren Unglücken gerufen: Suizid(-versuchen), Verkehrsunfällen, plötzlichem Kindstod, schweren Arbeitsunfällen, oder vermissten Personen, frustraler Reanimation, sie überbringen die schwer auszuhaltenden Nachrichten.
Ralf Willems (61) ist seit September 2023 ehrenamtlicher Notfallseelsorger. Nachdem der Wachtendonker das Steuerbüro abgegeben hatte, suchte er nach einer sinnvollen Beschäftigung. Als freiwilliger Feuerwehrmann lag die Notfallseelsorge gar nicht so fern.
„Wir wissen nie, was uns am Einsatzort erwartet“, schildert Kerstin Pekur-Vogt einen Reiz ihrer Tätigkeit. „Auch wenn man schon mehrmals Ähnliches erlebt hat, so ist es doch immer anders“, berichtet die 55-Jährige. Zusammen mit dem katholischen Kollegen Frank Ingendae koordiniert sie die Notfallseelsorge im Kreis Kleve, für den Kreis Wesel ist sie ebenfalls zuständig. Zentrale Aufgaben sind die Hintergrunddienste, Rückhalt für die Ehrenamtler, monatliche Teamtreffen und die Ausbildung neuer ehrenamtlicher Notfallseelsorgenden. Im Kreis Kleve sind es derzeit 45.
Bei Interessenten wird vor dem Ausbildungskurs (120 Unterrichtseinheiten) zunächst geprüft, ob diese selbst gefestigt genug sind, um die sensible und herausfordernde Aufgabe ausführen zu können. Nach der Ausbildung sind sie verpflichtet, 14 Tage im Jahr eine 24-stündige Bereitschaft zu übernehmen. Ralf Willems liegt mit seinen Stunden weit darüber. Seine Erfahrung ist, dass das „Da-Sein“ am allerwichtigsten sei. Sprechen nur wenn nötig, Schweigen aushalten, bis Betroffene wieder von sich aus ins Handeln kommen. Bei Sprachbarrieren sei oft Kreativität gefragt. „Wir haben für die Übersetzung mal einen ukrainischen Arzt aus dem Krankenhaus geholt und auch eine Thailänderin aus dem Massagesalon“, erzählt Willems.
Seelsorgende beobachten die Betroffenen und ihre Wohnung genau. „Wenn irgendwo ein Kreuz hängt oder eine Bibel liegt, fragen die Notfallseelsorgenden, ob ein Gebet helfen würde“, so Pekur-Vogt. Oft liegen sie richtig, in wenigen Fällen verweigern Betroffene kirchliche Rituale. „Alles kann, nichts muss“, ist die Devise von Ralf Willems. Manchmal geht er mit einer Kollegin zu einem Einsatzort. Beispielsweise, wenn Ehepartner einen Verlust erstmal selbst verkraften müssen und jüngere Kinder da sind.
„Zu 99 Prozent bekommen wir Dankbarkeit von den betroffenen Menschen und Familien zurück“, ist die Erfahrung der leitenden Koordinatorin Pekur-Vogt. Dankbarkeit sei eine große Triebfeder für das Engagement der Notfallseelsorge. Normalerweise endet der Einsatz der Notfallseelsorge am Tag selbst, gegebenenfalls verweisen sie an andere Dienste oder den Opferschutz weiter. In Ausnahmefällen verfolgt sie den Werdegang: „Ich erinnere mich an den tödlichen Motorradunfall eines Mannes“, sagt sie. Heute freut es sie total, dass die Frau eine neue Beziehung eingehen konnte und mit den Kindern wohlauf ist. Auch Willems erinnert sich an den einen Anruf eines Ersthelfers, der nach Monaten nochmal „Danke“ sagte. Seit 2011 ist Pekur-Vogt schon für die Notfallseelsorge aktiv. Sie beobachtet, dass „abgesehen von dem konkreten Unglück psychische Probleme, instabile Familienstrukturen der Betroffenen zugenommen haben“.
Ein großes Dankeschön an alle in der Notfallseelsorge tätigen Menschen, die all das aushalten!
Der nächste Kurs für ehrenamtliche Notfallseelsorgende startet im Januar 2027. Wer die Notfallseelsorge unterstützen will, Spenden werden gerne angenommen. Außerdem wird gerade die Gründung eines Fördervereins vorangetrieben.
Weitere Infos dazu demnächst hier. (Seite NFS KK-Homepage)