Aktuelles
Podium zur EKD Friedensschrift „Kriegstüchtig oder friedenslogisch“
Fotos und Text: Hiltrud Schoonhoven
Foto vlnr: Marianne Hütz, Herbert Looschelder, im Hintergrund Pfarrerin a.D. Brigitte Pannen und Religionslehrer a.D. Manfred Lucens
Kleve/Essen. Die Friedensgruppe der Evangelischen Kirchengemeinde Kleve besuchte eine Veranstaltung in der Essener Marktkirche eine Podiumsdiskussion mit Präses Dr. Thorsten Latzel. Deren Thema: „Richtungsstreit in der Kirche - kriegstüchtig oder friedenslogisch?“
Zuerst gab es eine Diskussion zwischen den drei Teilnehmenden der Podiumsdiskussion: Dr. Thorsten Latzel (Präses der Evangelischen Kirche im Rheinland), Dr. Roger Mielke (Militärdekan) und Dr. med. Angelika Claußen (Vorsitzende der deutschen Ärzt*innenvereinigung für die Verhütung eines Atomkrieges und in sozialer Verantwortung, IPPNW).
Für Dr. Thorsten Latzel sind Atombomben der Bibel nach ethisch nicht vertretbar. Miliärdekan Dr. Mielke entgegnete, wie problematisch die Sicherheitslage wäre, wenn wir keine Teilhabe an den US-Atombomben hätten. Daraufhin widersprach Dr. Claußen, Vorsitzende der IPPNW, energisch. Sie betonte, dass die Situation zurzeit, in der es keinerlei diplomatische Gespräche und Verhandlungen gäbe, hochgefährlich sei. Dem stimmten viele Teilnehmer zu.
Aus ihrem Verständnis vom Menschenbild in der Bibel sollte es jedoch möglich sein, auch mit dem Feind zu reden. Es gehe darum, wieder Gespräche über Abrüstung und Verhandlungen über den Atomwaffensperrvertrag und Atomwaffennichtverbreitungsvertrag zu führen. Dr. Claußen berichtete, dass überall im Gesundheitssystem Geld fehle. Andererseits stünden trotzdem große Summen für rein kriegsbezogene unterirdische Behandlungsräume in Köln oder Forschung für speziell kriegsbedingte Verletzungen zur Verfügung.
In der anschließenden Fragerunde sagte eine Kirchenbesucherin, dass sie sich in der Friedensschrift der EKD als Christin nicht wiedergefunden habe und schon daran gedacht habe, aus der Kirche auszutreten. Dann konnte sie aber feststellen, dass es sehr viele kritische Stimmen zur EKD-Schrift gibt, die ihrem Verständnis des Neuen Testaments über Frieden entsprachen. Sie erwähnte auch die aktuelle Schrift: „Wer Frieden will, muss mit dem Feinde reden“ vom ökumenischen Institut für Friedenstheologie, die u.a. von Bischöfin a.D. Margot Käßmann empfohlen wird.
Als wir die Fahrt zurück nach Kleve antraten, fühlten wir uns bestätigt, dass wir zu diesem Thema unsere nächste Friedensveranstaltung im September machen. Der Termin wird demnächst bekannt gegeben. Dr. Angelika Claußen (IPPNW) hat zugesagt, dass sie an einer solchen Veranstaltung teilnehmen wolle.