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Rheinisches Frauenmahl: Ermutigung erfahren zwischen Alltagsfreude und Trotzkraft

Fotos und Bericht: Dr. Rose Wecker

Kevelaer. Der Fachausschuss Frauenfragen im Evangelischen Kirchenkreis Kleve veranstaltete am Freitag, den 13. März sein fünftes Frauenmahl. Etwa 60 Frauen waren der Einladung in das Priesterhaus Kevelaer gefolgt , um sich mit dem Thema „Was uns stärkt“ zu befassen. Fünf Frauen waren dazu eingeladen worden, zwischen den einzelnen Gängen des Mahls eine Tischrede zu halten.

Referentinnen waren die evangelische Theologien Cristina Kielich, die im Augenblick in Issum ihr Vikariat absolviert und die katholische Theologin Dr. Andrea Spans, die in Kleve die katholische Familienbildungsstätte leitet. Außerdem gab es Impulse von der Wirtschaftswissenschaftlerin Victoria Park, Lehrerin an der Joseph Beuys Gesamtschule in Kleve, und der Politikerin Lilly Jimenéz Hidalgo. Sie war Sprecherin des Jugendparlaments in Goch und engagiert sich jetzt für die Partei „Die Linke“. Eine Doppelrolle nahm Tabea Frauenlob ein. Sie rezitierte nicht nur aus den Tagebüchern der jüdischen Denkerin Etty Hillesum, sondern begeisterte auch mit ihren musikalischen Beiträgen. Dabei präsentierte sie neben den Tagebucheinträgen von Etty Hillesum auch Texte von Rainer Maria Rilke und eigene Liedkompositionen. Ihre Beiträge waren eine große Bereicherung für den Abend, sowohl in der gelungenen Darbietung wie der inhaltlichen Tiefe der Texte.

Schon der einleitende Beitrag von Cristina Kielich ließ aufmerken. Sie spielte eine Sequenz aus einer politischen Aktion der Gruppe Pussy Riot in der russisch-orthodoxen Kathedrale in Moskau ein. Die aufrührerische und provokante Aktion der Aktivistinnen, zu denen Marija Aljochina gehörte, wurde parallel gesetzt zum Handeln Mirjams in der Bibel. Nach biblischer Überlieferung sorgt Mirjam dafür, dass ihr Bruder Mose als Kind nicht ermordet wird. Im Verlauf der Wüstenwanderung wird erzählt, dass sie es wagt, ihrem Bruder Mose zu widersprechen. Sie wird als Strafe Gottes für eine Woche aus der Gruppe ausgeschlossen. Erst nach ihrer Rückkehr in die Gemeinschaft ist diese vollständig und kann weiterziehen. Es brauchte auch in der Gemeinschaft der Israelit*innen diese Trotzkraft einer mutigen Frau, die auf Ungerechtigkeiten und Gefährdungen aufmerksam machte. Ohne ihr Mitgehen ist die Gemeinschaft nicht vollständig.

Sehr biographisch war der Beitrag von Victoria Park ausgerichtet. Sie schilderte, wie eine Begegnung im Gottesdienst ihrem Leben eine neue Richtung gab. Im Rahmen ihrer Masterarbeit hatte sie sich mit dem Thema Projektmanagement befasst. In der Begegnung mit einer Lehrerin, die zugewanderte Schülerinnen und Schüler unterrichtete, fand sie dann auch das Projekt, das sie wirklich begeisterte: Sie organisierte die Begleitung von neu zugewanderten Schülerinnen und Schülern durch Studierende der Hochschule Rhein-Waal. Ein Projekt, das für beide Seiten ein Gewinn war: Die Schülerinnen und Schüler hatten eine feste Bezugsperson, die sie beim Lernen begleitete. Die Studierenden gewannen in der Betreuung ein ganz neues Selbstbewusstsein darüber, dass sie in der Lage waren, andere zu unterstützen und ihnen Halt und Orientierung zu geben.

Biographisch orientiert war auch der Beitrag von Lilly Jimenéz Hidalgo. Obwohl in Deutschland geboren und aufgewachsen, konnte sie Momente beschreiben, in denen sie ob ihres Aussehens als nicht zugehörig betrachtet wurde. Auch die Erkenntnis, dass die Mehrheitsgesellschaft leichtfertig über das massenhafte Töten von Tieren hinweggeht, war für sie ein Moment, der ihren Widerspruch herausforderte. Diese irritierenden Wahrnehmungen haben bei ihr dazu geführt, Dinge nicht einfach hinzunehmen, sondern zu hinterfragen. Stärke zieht sie dabei vor allem aus der Solidarität und dem Engagement mit anderen.

Sehr berührend waren auch die Tagebuchauszüge von Etty Hillesum, die Tabea Frauenlob rezitierte. Obwohl Etty Hillesum schon im Übergangslager Westerbork interniert war, erlebte sie Momente der Lebensfreude und Zuversicht. Sie war fest davon überzeugt, dass die Situation der Verfolgung und Unterdrückung zu einem Ende kommen muss. Noch kurz vor ihrer Ermordung unterstrich sie ihren deutlichen Willen, an einer kommenden Neuordnung sowohl als Frau und wie als bisher Unterdrückte aktiv beteiligt zu sein.

Hier konnte die katholische Theologin Dr. Andrea Spans unmittelbar anknüpfen. Sie ermutigte dazu, auch in der aktuellen, sehr komplexen Weltlage, nicht zu verzagen. Sie ermunterte die Frauen, die kleinen Freuden des Alltags wahrzunehmen und sich durch sie ermutigen zu lassen, an den eigenen Zielen für ein gutes Leben festzuhalten. Sie schlug dabei einen Bogen zu ihrer Promotion über die sogenannten „Lichtkapitel“ des Jesajabuches, in denen dem Volk Gottes eine gute Zukunft verheißen wird. Die Menschen werden zur Hoffnung und Freude in bedrückender Zeit aufgerufen. Gerne vernahmen die Frauen diese motivierende Botschaft.

Das Frauenmahl war ein rundum gelungener Abend. Auch die Küche und der Service des Priesterhauses trugen dazu bei. Beschwingt, ermutigt und genährt an Leib und Seele machten sich die Frauen auf den Heimweg.

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