Aktuelles
Warum Gedenktage
Letzte Woche haben wir uns an die Befreiung des Konzentrationslagers Buchenwald erinnert. Kommenden Sonntag denken wir an den Aufstand im Warschauer Ghetto am 19. April 1943.
Ist das nicht vielleicht zu viel des Guten?
Woran erinnern wir uns am 19.4.? Es ist Tag 1 des aussichtslosen Aufbegehrens gegen die brutale Internierung von einer halben Million Menschen auf engsten Raum und unter mörderischen Bedingungen: ausgeliefert an Hunger und Krankheiten und mit der Perspektive der Deportation. Als er am 16. Mai endete, war die größte jüdische Gemeinde Europas fast vollständig ausgelöscht.
Warum finde ich diesen Gedenktag wichtig? Auch diese mörderische Situation ist eine Facette des Menschheitsverbrechens, das eng mit unserer deutschen Verantwortung verwoben ist. Verantwortung muss in der Gegenwart konkret werden, in einer Gegenwart, in der der Antisemitismus erstarkt und die aktuelle Situation im Nahen Osten zu schnellen Urteilen und emotionalen Reaktionen verführt.
Warum finde ich als Christin, in meinem Fall als ehrenamtliche Predigerin der evangelischen Kirchengemeinde Kleve, Gedenktage und in einem weiteren Sinne politisches Engagement wichtig? Für mich bedeutet politisches Engagement, das eigene Leben als Teil einer Gemeinschaft zu verstehen, die über Familie und Freunde hinausgeht.
Nachdem Gott sein Volk aus der Gefangenschaft befreit hat, gab er ihm Gesetze, um ein gutes Zusammenleben in Frieden und Rechtssicherheit zu wahren.
Jesus lehrte und lebte den Menschen vor, wie ein Leben aus Mitgefühl und Gottvertrauen aussieht. Er war mit allen Menschen auf Augenhöhe; denn er hat mit den Ausgegrenzten der Gesellschaft an einem Tisch gesessen und mit ihnen geredet.
In diesem Sinn wollen wir leben und miteinander ins Gespräch kommen. Dazu gehört für mich auch diese Spalte: etwas anders als das gemeinsame Nachdenken bei der Predigt, aber auch Teil von einem öffentlichen Gespräch.