Bild: Pfarrerin Christa Wolters vor einer Auswahl an alten und neuen Bibeln und Gesangbüchern.

Mehr als die Kirche von gestern bewegte im zweiten „Blauen Salon-Gespräch" die Kirche von heute. Nicht nur die Kirche ändert sich, auch ihre Mitglieder und die Gesellschaft als Ganzes beeinflussen sich wechselseitig. Das von Pfarrerin Christa Wolters moderierte Gespräch fand in Goch 25 interessierte Teilnehmende, die sich rege einbrachten.

Ist der „normale" Gottesdienst ein Auslaufmodell?

Menschen berichteten am Mittwoch von gut besuchten Gottesdiensten, in denen etwa Gospelmusik im Vordergrund steht. Von Weihnachtsgottesdiensten, bei denen kaum alle Platz finden. Und von „normalen Gottesdiensten", zu denen kaum mehr als 20 Leute kommen. Weil eben mal kein Chor auftritt, keine Kindertagesstätte eingeladen ist, keine Pfarrperson eingeführt oder keine Kinder getauft werden. Die Individualisierung der Gesellschaft trüge dazu bei, dass zielgruppengenaue Angebote zwar in der Zielgruppe Anklang finden, bei anderen weniger. Wenn sie denn zu einer angenehmen Zeit stattfänden. Für die einen am liebsten um 9 Uhr, andere schlafen lieber aus und hätten ab 11 Uhr Zeit.

Das gilt auch für die Musik: während sich einige für klassische Choräle und Paul-Gerhard Texte erwärmen, sahen andere moderne Musik und zeitgenössische Sprache als Notwendigkeit, um Jugend überhaupt zu interessieren. Besondern gut kämen Pfarrpersonen und Kirchenmusiker an, die sich als Person glaubwürdig einbringen - wie der verstorbene Kreiskantor Friedhelm Olfen, an den erinnert wurde. Das könne jedoch nur funktionieren, wenn für Beziehungsarbeit Zeit eingeräumt würde, während und nach dem Gottesdienst, so die Teilnehmenden.

Kirchliches Wissen nimmt ab

„Das Wissen um kirchliche Liturgie, biblische Geschichten, die Bedeutung kirchlicher Feste ist bei manchen, die mit dem Konfirmandenunterricht beginnen, gleich Null", leitete Wolters zu einem anderen Themenkomplex über. Da sei es mittlerweile schwer, irgendwo anzuknüpfen. Gründe dafür lägen weniger bei den Kindern und Jugendlichen: Wenn heute beide Elternteile voll arbeiten gehen müssten und Eltern ihre Kinder am Sonntagmorgen nicht in die Kirche/den Kindergottesdienst mitnähmen, sei diese Entwicklung kein Wunder. Tatsächlich wird aufgrund der Nachfrage längst nicht mehr in allen Kirchengemeinen Kindergottesdienst angeboten. „Kirchliches Desinteresse ist auch daran abzulesen, dass nicht alle Eltern zu einem Vorstellungsgottesdienst der Konfirmanden kommen", so eine Zuhörerin. Hoffnung machte einer anderen Zuhörerin der neu konzipierte Konfi 3-Unterricht der Region West. Eltern werden dort in die Arbeit mit einbezogen und lernen so auch für sich selbst dazu.

Wo und was ist „meine Kirche"

Pfarrerin Wolters fragte nach, was „meine Kirche" für die Menschen heute bedeute: Während einige ausschließlich die Wohnortgemeinde als „Heimat-Kirche" betrachten, kam für andere auch die Gemeinde in der sie aufgewachsen sind in den Sinn. Einige fanden gelebte Ökumene und ein breites Kirchenverständnis wichtig, andere bevorzugten eher ein toleriertes Nebeneinander der Kirchen.

Die nächsten Blauen Salons

Es sind im neuen Jahr noch zwei „Blaue Salon-Gespräche" geplant: Mittwoch 23. Januar 2019: „Plastik: Segen und Fluch?!" mit Pfarrerin Martje Mechels und am Mittwoch, 20. Februar, präsentiert Pfarrer und Autor Michael Schuck die Biografie: „Ein Leben in Kurdistan". Jeweils ab 15 Uhr, Niersstraße 1 in Goch. Anmeldungen bei Sybille Schumann, Erwachsenenbildung/Arbeitskreis Älterwerden unter Telefon: 02823 9444-26 / sybille.schumann@ekir.de

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