Drei Fragen an Theologin Birgit Mattausch

Bildmontage: Kirchenkreis/Schmelting

epd-Gespräch: Franziska Hein

Frankfurt a.M. (epd). Kirche muss digitaler werden, das fordern medienaffine Menschen innerhalb und außerhalb der Kirchenmauern. Doch Kirche und Glauben sind längst im Netz präsent. Die Theologin Birgit Mattausch ist aktives Mitglied der digitalen Gemeinschaft von Christen und erklärt, worauf es bei der Netzgemeinde ankommt. Im analogen Leben arbeitet sie als Referentin am Zentrum für Gottesdienst und Kirchenmusik in Hildesheim.

epd: Frau Mattausch, gibt es überhaupt eine christliche Gemeinde im Netz?

Birgit Mattausch: Es kommt darauf an, wie man Gemeinde definiert. Theologisch wird die Kirche meist als Ort definiert, wo das Wort verkündigt wird und die Sakramente gespendet werden. Unsere Sakramente Taufe und Abendmahl werden in Kohlenstoffform gereicht. Da wird es natürlich schwierig, das online zu tun. Im Netz gibt es aber viele kleine christliche Communitys, in denen ich manchmal mehr als anderswo von dem erlebe, wie Paulus Gemeinden beschreibt - nämlich Christen, die miteinander beten, füreinander da sind, sich unterstützen in ihrer jeweiligen Arbeit am Reich Gottes.

epd: Was passiert denn im Netz, was in Ortsgemeinden nicht passiert?

Birgit Mattausch: Fürbitte und Segen gibt es im Netz wahnsinnig viel. In welcher Gemeinde vor Ort treffen sich Leute jeden Tag, um zu beten wie bei der Twitter-Abendandacht #Twomplet Im Netz spielen außerdem Kirchenhierarchien überhaupt keine Rolle mehr. Was zählt ist, sich zu öffnen, bereit zu sein, etwas zu teilen und sich beraten zu lassen - darauf kommt es an und nicht auf die Stellung in der Kirche. Das ist natürlich sehr idealtypisch gesprochen, aber es passiert sehr oft.

epd: Seelsorge ist einer der wichtigsten Bereiche in der Gemeindearbeit. Wie kann man Seelsorge auch im Netz sicherstellen?

Birgit Mattausch: Wenn eine sich im Netz zeigt als Christin und als nahbarer Mensch, dann melden sich welche und bitten um Hilfe. Es ist manchmal gar nicht so einfach, damit umzugehen. Das kann sehr viel werden. Und ich zum Beispiel mache das ja nicht hauptberuflich. Gleichzeitig ist es schwierig, diese Leute an andere Stellen zu verweisen, weil sie sich ja mit ihrem Anliegen speziell an mich gewandt haben. Und natürlich kann es einem unheimlich viel Sicherheit geben, wenn man in einer Krisensituation weiß, dass man Menschen in der Tasche trägt, die einen unterstützen. Ich glaube, es bräuchte noch mehr Seelsorger, die für die Arbeit im Netz auch einen Dienstauftrag bekommen, damit sie dafür entlastet werden von anderen Aufgaben. Diese Arbeit ist sehr wichtig, und wir dürfen das Netz nicht ohne Not Fundamentalisten und selbst ernannten Lebenshilfe-Gurus überlassen.

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